• cinesg.de :: serien & tv
  • speed

Marlene Dietrich :: Widerstand gegen die Nazis :: Heimkehr nach Berlin :: Ein Vermächtnis

Der zweite Weltkrieg ist ausgebrochen. Die Nazis wollen Marlene unbedingt mit lukrativen Versprechungen nach Deutschland zurückholen. Joseph Goebbels bietet Marlene für jeden Film den sie in Deutschland dreht 200.000 Reichsmark bei freier Wahl des Stoffes, des Produzenten und des Regisseurs. Sie lehnt ab und beteiligt sich aktiv bei Propaganda-Sendungen in den USA gegen die Nazis in deutscher Sprache. 1943 unterbricht sie ihre schauspielerische Tätigkeit. Sie tritt vor amerikanischen Truppen in Nordafrika, in Italien und in Frankreich als Truppenbetreuerin an der Front unter Lebensgefahr für die Sache der Alliierten ein. Mit dem Song The boys in the Backroom aus dem Film Destry rides again (Der große Bluff) motiviert sie die Soldaten, die gegen Nazi-Deutschland kämpfen müssen. Die Meisten von ihnen werden nicht überleben.

Sie scheut sich auch nicht davor, ein Lazarett der deutschen verwundeten Gefangenen zu besuchen. Die deutschen Soldaten sind teils noch halbe Kinder und liegen im Sterben. Ein schrecklicher Anblick der sich ihr offenbart. Sie erkennt das ganze Ausmaß des Krieges und der Nazis Diktatur. Danach kämpft sie noch unermüdlicher gegen Hitlers Regime. In der Hoffnung den Krieg zu verkürzen, wird die Kriegspropaganda, die Marlene gegen die Nazis aufnimmt, zur Demoralisierung der Deutschen eingesetzt. Doch erst alliierte Bomber können Nazi-Deutschland bezwingen. Mit der Zerstörung vieler deutscher Städte und letztendlich Berlins ist der Zweite Weltkrieg zu Ende. Bis zum Ende bangt Marlene um ihre Mutter, die noch in Berlin lebt. Nach Kriegsende forscht sie auch nach ihrer älteren Schwester Elisabeth, die im Konzentrationslager (KZ) Bergen-Belsen die Kantine für die Wachmannschaften leitete. Marlene weiß nicht, ob sie überlebte ihr war es irgendwie auch egal. Denn sie will nichts mehr mit ihr zu tun haben. Elisabeth hatte schließlich den Nazis geholfen. Damit ist die Sache für Marlene erledigt.

Marlene, ca. 1947
Marlene, ca. 1950
© by MPTV

1947 kann sie endlich ihre Mutter ausfindig machen, sie hat überlebt. Marlene ist überglücklich und fährt insgeheim nach Deutschland, um sie zu besuchen. Es soll ihr letztes Wiedersehen sein, denn ihre Mutter stirbt im September 1947. Noch im gleichen Jahr bekommt Marlene in den USA die „Medal of Freedom“ („Medaille der Freiheit“) für ihre Verdienste im Zweiten Weltkrieg verliehen. Diese Auszeichnung ist der höchste Orden des amerikanischen Kriegsministeriums für Zivilisten.

Marlene, zwischenzeitlich wieder im Filmgeschäft unterwegs, hat eine leidenschaftliche Affäre mit Jean Gabin, ihrem Partner in Martin Roumagnac. Auch der berühmte Autor Erich Maria Remarque wird zeitweilig ihr Lebensgefährte. Verheiratet ist sie jedoch noch mit Rudolf Sieber. Als in den 50ern Filmangebote rar werden, entdeckt sie ihre Begeisterung für die Musik neu.

Marlene, ca. 1950
Marlene, ca. 1950
© by MPTV

Sie beginnt einen Konzertzyklus mit den unsterblichen Evergreens Ich bin die fesche Lola, Lili Marlene, Sag mir, wo die Blumen sind. Dieser führt sie 1953 von Las Vegas zum Broadway nach London, in die UdSSR zurück nach Berlin und bis Australien.

Als sie ihre Europatournee am 30. April 1960 nach Berlin zurückkehren lässt, empfangen aufgebrachte Berliner Marlene vor dem „Titania Palast“ in Steglitz mit Transparenten auf denen steht: „Marlene hau ab!“ Sie wird von vielen Deutschen als Nestbeschmutzerin beschimpft, diese Wertung hat sich in etlichen deutsch-konservativen Köpfen über Marlenes Tod hinaus gehalten. Dennoch, Bürgermeister Willy Brandt empfängt sie herzlich. Zu späterem Zeitpunkt wird Marlene einmal sagen, „dass sie verstehen kann, warum sehr viele Deutsche noch immer sehr böse auf sie waren“. Denn aus ihren Augen ist Marlene einfach abgehauen und hat Deutschland verraten. Und an eine Begebenheit wird sich Marlene Zeit seit Lebens gerne Erinnern. Denn nicht alle Berliner waren so aufgebracht: Einige haben sie als Weltstar empfangen und eine „waschechte“ Berlinerin soll zu ihr gesagt haben „Na Marlene, da wollen wir uns mal wieder vertragen.“

Neben der Tournee dreht Marlene noch Filme. Ihre letzte große Rolle spielte sie als Witwe eines hingerichteten deutschen Generals 1961 in dem Film Judgement at Nuremberg (Das Urteil von Nürnberg). Mit diesem Film gelingt ihr noch einmal ein Clou. Sehr überzeugend stellt sie in Frage, dass alle Deutsche gewusst haben sollen, was unter Hitler geschehen. Sie glaubt noch an die Unschuld der meisten Deutschen, die zu so einem grausigen Verbrechen nicht fähig wären. 1965 folgte die Dokumentation Obyknovennyj fashizm (Der gewöhnliche Faschismus) in der Archivmaterial mit der Dietrich verwendet wird.

Marlene mit Spencer Tracy in Judgement at Nuremberg, 1961
Marlene mit Spencer Tracy in Judgement at Nuremberg, 1961
© by MPTV

Zudem gibt Marlene weitere Konzertevents in aller Welt. Die französische Regierung verleiht ihr 1972 die Auszeichnungen „Chevalier de la Légion d'Honneur“ und „Officier de la Légion d'Honneur“ („Kreuze der französischen Ehrenlegion“). 1975 stürzt sie auf der Konzertbühne in Sydney, Australien und erleidet einen Schenkelhalsbruch. Nun stellt sie ihre Auftritte endgültig ein.

1979 zieht sich Marlene mit ihrem letzten Film Just a Gigolo (Schöner Gigolo, armer Gigolo) auch vom Filmgeschäft zurück. Die Diva ist alt geworden. Sie selbst kann das nicht sonderlich gut ertragen und macht ihre Pariser Wohnung zur neuen Heimat. Maximilian Schell gestattet sie 1984 den Doku-Film Marlene zu drehen. Da sie nicht mehr vor die Kamera wollte, ist die Doku auf stundenlange Tonbandinterviews beschränkt. Schell zeigt Marlene Filmaufnahmen und sie kommentiert. Wer die Doku kennt, merkt wie schwer ihr das fällt. Mit schmerzlicher Stimme bittet sie darum, diese und jene Szenen nicht sehen zu müssen. Sie betont Ich denke das soll ein Kommentarfilm werden, ich weiß doch was ich gemacht habe. Das Ergebnis Schells ist eine skurrile Doku über Deutschlands große Diva. Besonders rührend finde ich Marlenes Kommentar bezüglich eines Oscars. Schell fragt, ob sie enttäuscht sei, nie einen Oscar bekommen zu haben? Sie antwortet sinngemäß „Nein, die Garbo hat auch nie einen bekommen und den schwarzen Oscar will ich auch nicht haben. Den geben sie dir, kurz bevor du stirbst für dein Lebenswerk. So'n quatsch.“ Auf die Frage, ob sie glaubt, dass es einen Himmel gäbe und sie nach ihrem Tode dahin komme, antwortete sie „Ach, da ist nichts, oder was denken sie für wie viele Menschen da oben Platz ist? Denken sie mal wer da schon alles sein müsste. Alles quatsch.“

1987 veröffentlicht Marlene ihre Memoiren Ich bin, Gott sei Dank, Berlinerin. Ihre Liebe zu Berlin und Deutschland trotz ihrer Lebenslinien ungebrochen. Dennoch lebt sie bis zu ihrem Tod am 6. Mai 1992 in Paris. Erst nach ihrem Tod kehrt sie nach Berlin zurück und wird wunschgemäß in Berlin-Friedenau beigesetzt. Nach ihrem Tod erwirbt die Stadt Berlin Marlenes Nachlass für rund fünf Mio. US-Dollar. Marlene sammelte seit dem „blauen Engel“ alles: 15.000 Fotos, 2.000 Schallplatten, Hunderte von Kleidern, Tausende von Schriftstücken und ehrlich auch viel Plunder als Zeichen ihrer Einsamkeit… insgesamt 100.000 Einzelstücke im heutigen Wert von über 4,1 Mio. Euro (ca. acht Mio. Deutsche Mark).

Marlene: Mythos & Legende
Marlene: Mythos & Legende
© by MPTV

Ich kann bedenkenlos schreiben, dass Marlene Dietrich für mich bis heute die größte Diva Deutschlands ist. Auch wenn sie eine Zeitlang in den Staaten lebte, ist sie bis zu ihrem Tode eine echte Berlinerin im Herzen geblieben. Schon zu Lebzeiten avanciert sie zum Mythos, zur Legende. Das was sie für Deutschland getan, ist nicht ermesslich. Auch wenn das viele Deutsche nicht einsehen. So verhinderten Politiker in Berlin-Schöneberg eine Straße nach Marlene Dietrich zu benennen. Mittlerweile hat Berlin einen Marlene Dietrich Platz. Ich bin zwar nicht mit Marlene groß geworden, verehre sie dennoch. Schon wegen ihres unnachgiebigen Engagements gegen Nazi-Deutschland. Sie ist und bleibt für mich eine Legende und eine großartige Schauspielerin und vor allem Sängerin.

Auf die Frage, ob es Menschen je lernen werden, dass Krieg niemals der richtige Weg ist, weiß auch im 21. Jahrhundert trotz Marlenes Schaffen nur „ganz allein der Wind“ die Antwort… Denk ruhig drüber nach, denn Sag mir wo die Blumen sind?

Quelle/Bildnachweis:
Bücher
– Manfred Neifer: Grenzgänger zwischen Theater und Kino, hrsg. Knut Hickethier
Internet

– MARLENE4EVER FANCLUB
– Dirk Kasper Filmstarlexikon
– LeMO: Lebendiges virtuelles Museum Online
– Streifzüge durch die Berliner Film- und Kinogeschichte
– The Internet Movie Database
– Images © by MPTV – The Ultimate Hollywood Stock Photo Resource – danke.
Fernseh-Dokumentationen
– Guido Knopp: Hitlers Frauen, Marlene Dietrich – Die Gegnerin (TV, 2001)
– Maximilian Schell: Marlene (TV, 1984)

zurück



Einen Kommentar schreiben


Nutzungsbedingungen & Datenschutz | Impressum © 1999-2026, cinesg.de | Feed

oben (top)